Dass - außer Mode?

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  • IMHO sagen nur Deutsche "Schina" und "schinesisch"

    Nö. In meiner (ersten) Muttersprache heißt das Land "tschaina", in meiner "Vatersprache" heißt es "Schina" - kann ich mir so recht gut merken. ;)

  • Aber bbavenger, Du könntest zur Feier Deines 1000. Posts das "blos" durch ein "bloß" ersetzen. :-p :D :pfeift:

    Experiment gelungen, es hat jemand bemerkt :D

  • Experiment gelungen, es hat jemand bemerkt :D


    Bemerkt hab ich das schon früher. Ebenso wie "geschäftlichge" bei einem anderen Forumsteilnehmer, der jedoch meine impliziten Bemerkungen geflissentlich ingoror ignorierte. :-p


    Deerhunter: Unser Stammitaliener sagt, dass "Espressi" korrekt sei.


    Diesen Thread hiermit zum amüsantesten seit dem Brian-Thread ernennende Grüße,


    fluteman


    ("Wild verlinkende Grüße" hätten heute auch gepasst :lacht: )

    Wer rastet, der rostet. Wer rast verliert.


    :love: Danke, dass es dieses Forum (immer noch) gibt! :love:

  • Deerhunter: Unser Stammitaliener sagt, dass "Espressi" korrekt sei.

    Das ist schon klar, aber ich - als "guter Deutscher" - bestelle einfach "Zwei Tassen Espresso" und halte das für richtig. Warum? Ganz einfach: Keine andere Nation versucht ständig, selbst im eigenen Land ihre Sprache so zu verbiegen. Das muß nicht sein.

  • Ich diktiere und korrigiere nun seit einigen Jahrzehnten. Es war früher ebenso schwierig, daher mindestens ebenso oft falsch wie heute. Die Regel ist aber auch schwer zu vermitteln. Wer weiß schon, was ein Konsekutiv-Satz ist?


    Außerdem schreiben heute dank I-net und Foren dieser Art Menschen aller Bildungsschichten, auch solcher, die nach Schulende den Kuli nur noch für den Lottozettel in die Hand nahmen.


    +1 Das Problem ist schon lange existent in der deutschen Sprache. Einen guten Überblick über die hier vorliegenden Ursachen gibt der 3. Band der "Deutschen Sprachgeschichte" von Peter von Polenz. Faktisch wurde eben das Deutsche stark von den oberen gebildeten Schichten beeinflusst (Stichwort: Schriftsprache als "Hoch"deutsch), die viele Einflüsse der damaligen Bildungssprache Latein in der deutschen Grammatik etablierten. Dies geschah natürlich besonders aus Gründen der sozialen Abgrenzung. Deswegen ist die deutsche Sprache faktisch auch schwerer erlernbar als viele andere indogermanische Sprachen, weil hier nicht intuitiv nach Sprechpausen etc. gegliedert wird, sondern nach abstrakten syntaktischen Überlegungen. Die Probleme mit der Kommasetzung bzw. auch das/dass oder auch die Großschreibung von Substantiven sind alles Ausformungen dieser einen Grundproblematik. Ich verstehe, wenn viele Menschen hier das Handtuch werfen. Selbst in der aktuellen sprachwissenschaftlichen Literatur existieren oft Grenzfälle, die mit verschiedenen Ansätzen auch unterschiedlich gelöst werden. Somit besteht selbst unter Experten oft Uneinigkeit.


    Die Historiolinguistik des Deutschen ist in den letzten Jahren dazu übergegangen, vermehrt sprachliche Zeugnisse aus den bildungsferneren Schichten zu erschließen und zu untersuchen. Hauptuntersuchungsgegenstände sind vor allem private Briefe an Familienmitglieder, um Konflikte zwischen verschiedenen Soziolekten ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen, dass die unteren Bildungsschichten schon immer starke Probleme mit der deutschen Syntax hatten. Selbst Schreiber innerhalb der Jahrhundertwende 18Jh./19Jh. mit hoher Schulbildung weichen fast immer stark von den damals normierenden Grammatiken ab. Somit ist dieses Problem eigentlich kein spezielles unserer heutigen Zeit, sondern tritt nur durch die neuen elektronischen Medien stärker in unser Blickfeld, da eben auch ein breiteres Bildungsspektrum hier Schreibarbeit leistet. Dass wir deutsche Texte auch ohne Kommata etc. oder vor allem auch Substantivgroßschreibung verstehen können, wird im täglichen Gebrauch von SMS/ Email etc. deutlich.
    Ebenso wird aus den Diskussionen der letzten Rechtschreibreformen und ihren zahlreichen Überarbeitungen deutlich, dass die hohen Bildungsschichten keine Vereinfachung der deutschen Sprache zulassen wollen. Zeitungen wie auch Lehrerverbände etc. sind doch Sturm gegen mögliche Vereinfachungen gelaufen. Als Gründe wurden Abwertung der Stilistik oder auch der sprachlichen Eindeutigkeit vorgeschoben. Das Englische zeigt doch aber, dass auch mit einfacheren sprachlichen Mitteln komplizierte wissenschaftliche Abhandlungen verständlich wiedergegeben werden können...
    Also: Mehr Vereinfachung! Das erleichtert den Schülern das Lernen und den Lehrern die Korrekturen und wir werden immer noch Texte verstehen können :thumbup: :boogie:

  • Selbst in der aktuellen sprachwissenschaftlichen Literatur existieren oft Grenzfälle, die mit verschiedenen Ansätzen auch unterschiedlich gelöst werden


    Un nu?


    Mit mir kann man reden. Ab heute kein dass mehr. Wir wollen doch mal sehen, ob wir die Deutsche Sprache in die Knie zwingen können. Das muss gehen. Alles geht heutzutage.


    Die Massen-Gesellschaft schreibt sich jetzt endlich "frei" von den Ketten der Obrigkeit.


    Sluberr

  • ich - als "guter Deutscher" - bestelle einfach "Zwei Tassen Espresso" und halte das für richtig.


    Da gebe ich (und unser Stammitaliener im übrigen auch!) Dir vollkommen Recht! Ich finde "zwei Espresso", "zwei Cappuccino" etc. völlig in Ordnung. Würde ich in Italien (nicht Südtirol... :-p ) bestellen, möglichst in Landessprache, ist natürlich die Situation gleich eine andere.


    Und wenn ich nicht weiß, ob ich die Pizzen Pizzas oder Pizzi nennen soll, kann ich auch sagen: "Ich bekomme bitte eine Pizza Capricciosa, und die Dame bekommt da Gleiche!". Man kann sich auch sehr elegant um die Herausforderung drücken. ;)


    Scheinbar bin ich ein Teil des Bildungsbürgertums. Ich fand und finde die sogenannte Rechtschreibreform großen Humbug, vereinfacht oder logischer wurde hier aus meiner Sicht (fast) nichts. Die das/dass-Problematik ist keine andere als die das/daß-Problematik es war. Da hätte man schon andere Sachen abschaffen müssen. Und entschuldgt: Lehnwörter wie "Portemonnaie" in "Portmonee" zu wandeln grenzt ebenso an körperlichen Schmerz wie "Delfin" oder - noch schlimmer - "Filosofie". Das ist korrekte deutsche Rechtschreibung! Wobei ich - fragt mich nicht wieso - lieber "Foto" schreibe als "Photo". Das ist Gewohnheit. "Schi" oder "Ski"? Keine Ahnung!


    Trotz allem: Ich habe mich an die neue Rechtschreibung gewöhnt. Meine Diplomarbeit schrieb ich noch aus Überzeugung nach der "alten", aber im Berufsleben wurde es mir zu anstrengend, ständig "umzuschalten" zwischen "alt" und "neu". Irgendwann habe ich beschlossen, komplett auf die "neue" Rechtschreibung umzusteigen, wobei ich die (wieder) erlaubten alten Formulierungen teils bevorzuge ("zusammenkommen" statt "zusammen kommen" (Jaaa, das ist zweideutig, ich weiß! Deshalb habe ich es aber nicht als Beispiel gewählt!)). Ach ja, ich sage als Oberbayer auch "Kina" und "Kemie", nicht "Schina" und "Schemie". Man könnte auch "China" und "Chemie" sagen. ;)


    Und, was nicht zu vergessen ist: Dem Internet haben wir zwar scheinbar mehr "Fehler" zu verdanken, aber auch eine wesentlich gesteigerte Schreibtätigkeit von Schichten, die früher nicht oder nur minimal geschrieben hätten! Das kann man sehen wie man will - aber letztlich finde ich es gut. Auch, wenn das Lesen mancher Beiträge manchmal wehtut (nicht "weh tut") - oder sollte ich sagen: "schmerzt"...?


    Fragen über Fragen. Und ein sehr interessantes Gespräch hier! :thumbup:


    Dankende Grüße,


    fluteman


    Edit: Typo

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    Edited once, last by fluteman ().

  • nur leuten passieren, die ein fernöstliches land "kina" nennen, das dortige futter "kinesisch"


    Der Kemiker in den Telekolleg-Sendung der 70/80er Jahre betonte eines der beiden dass/das korrekt: nämlich mit einem langen 'a' . Ich weiß auch nicht mehr genau welches. Diese Betonung fanden wir aber schon zu meinen Schulzeiten (80/90er) sehr komisch.


    cas0r: danke, sehr interessant. Nur Englisch ist glaube ich kein sehr gute Beispiel, da gerade in den englischsprachigen Originalartikeln nur noch ein sehr kleines Inventar an standartisierten sprachlichen Mitteln verwendet wird. Spanisch wäre ein besseres Beispiel, das kommt selbst in riesigen Schachtelsätzen ganz gerne ohne Kommas aus.

  • Auch ich finde die letzte Rechtschreibreform nicht nur schlecht: Vor allem die ß und ss-Schreibung ist jetzt endlich konsequent. Das Unglück mit der getrennt-Schreibung ist ja eh schon wieder entschärft. Problematisch finde ich vor allem die ä-e Änderungen: Dass Stängel von Stange kommt, lass ich mir ja einreden, aber "aufwändig", weil's von "Aufwand" kommt... könnte doch auch von "aufwenden" kommen... und da sind wir schon beim Problem, dass nämlich "wenden" und "Wand" eigentlich auf den gleichen Stamm zurückgehen, genauso wie "geben" und "Gabe". Und "wecken" bedeutet ja "wach machen" - also "wäcken"? Das finde ich also eher verwirrend, weil die Verschiebung vom e zum a und umgekehrt etwas in der deutschen Sprache systemimmanentes ist.
    Und noch was zur Ausprache: Wahnsinnig werde ich in letzter Zeit immer öfter, weil es scheinbar üblich ist, französische Wörter so auszusprechen, als ob sie englisch wären: So gibt es bei jeder Casting-Show eine "Dschuuri", über deren Entscheidungen dann die "Dschoornalisten" herziehen... da kriech ich echt so'n Hals hier!

  • "zusammenkommen" statt "zusammen kommen" (Jaaa, das ist zweideutig, ich weiß! Deshalb habe ich es aber nicht als Beispiel gewählt!)).


    Unterschiede müssen sprachlich Unterschiede bleiben, finde ich persönlich. Deshalb: "zusammen kommen" ist schriftlich richtig, aber auch nur da.


    Ich fand und finde die sogenannte Rechtschreibreform großen Humbug, vereinfacht oder logischer wurde hier aus meiner Sicht (fast) nichts.



    Die Rechschreibreform hat uns sicher, ohne nachzurechnen, ein paar Milliarden gekostet. Die Leute, die sie ausgeheckt haben, allesamt profilierte Bildungsbürger, aber letztlich Nieten.


    Wie kann man eine Rechtschreibreform auf zwei Stelzen stellen?


    - phonetische Analogien
    - etymologische Analogien


    Das eine schließt das andere fast immer aus.


    Das war der große Fehler. Und keiner hat's bemerkt. Von gut bezahlten Beamten und Angestellten kann man nichts erwarten. Die fahren zu einer Klausur-Tagung und fahren wieder zurück. Und dazwischen wird gut gegessen und getrunken. Und alles andere ist Wurscht (pardon: Wurst). Wie kann man solchen Leuten eine Jahrhundertentscheidung aufbürden. Das ist völlig unfair. Die können das nicht, weil sie monatlich mit viel Geld abgestraft werden.


    Nur Freiberufler können solch eine Aufgabe stemmen. Denn die werden für eine erbrachte Leistung bezahlt. Und nicht für abgefeierte Arbeitsstunden.


    Aber das Thema hatten wir schon mal.


    Deutschland. Erwache. Jehova ist Zeuge.


    Slubber


    PS: Die Diskussion hier ist sehr gnädig mit Leuten, die es besser wissen, aber aus Faulheit (siehe Angestellten) sich nichts draus machen, "das" oder "dass" als gleich anzusehen. Wer nicht schreiben kann, kann nicht denken. Alte Regel.

  • Das Thema "Mehrzahl" fand ich immer schon spannend, äh also wenn der Gesprächsstoff (oder die Lust auf solchen) ausgeht sage ich gerne: Wie ist die Mehrzahl von Omnibus?
    Dann sagen die meisten: Omnibusse. Sag ich: Nee, total falsch! Richtig: Omnibanten!
    Wieso? Weil die Mehrzahl von Globus schließlich auch Globanten ist.
    Dann entfernen sich die Gesprächspartner langsam und ich hab endlich Ruhe. Herrlich ^^

  • Eine schöne Diskussion. Und um nochmal auf den Pfandteil zurückzukommen:

    Höchstens noch vom Flaschenpfand des Herrn Trettin.

    Das war ein Gesetz der Umweltministerin Merkel. Trettin hat es nur nicht geändert, weil seine Änderung im Bundesrat nicht durchsetzbar war.

  • Vor allem die ß und ss-Schreibung ist jetzt endlich konsequent.


    Und wo? Konsequent wäre es gewesen, das "ß" gleich abzuschaffen, so wie die Schweizer.


    Schweizerische Grüsse (!),


    fluteman

    Wer rastet, der rostet. Wer rast verliert.


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  • Trittin. Wie "tritt ihn". ;)


    Ich muss zugeben, dass ich den Gedanken auch schon hegte. Ihn aber dann zugunsten des Herrn verschoben hab'.


    Danke für die Merkel-Info. Einer muss den Kopf hinhalten. Tritt ihn hat aber eine Sache mitgetragen, die nicht einmal im Kapitalismus-Amerika möglich war.


    Deutschland ist prinzipiell hintendran. Wie so oft. Aber das merkt keiner. Wir sind die Schampinions.


    Slubber

  • IMHO sagen nur Deutsche "Schina" und "schinesisch" ...

    also anglophile sagen "tscheina" ...

    mfg


    juggernaut


    Herr Schaaf, wie trainieren Sie Freistöße? Gibt es da auch noch mehr Varianten als "BUMM DRAUF"?
    T. Schaaf (trocken): "BUMM DRIN"!

    Quote from OWL (zu ´runterfallenden $martphones):

    Man könnte höchstens universell festhalten, daß es entweder hält oder kaputtgeht.