Hallo zusammen,
Also so wie die Diskussion hier läuft, kann ich es mir nicht verklemmen, auch meinen Meinung zur 32'000 Knoten-Begrenzung bei den Kartenkacheln in Digi-Map zu äussern und einigen hier geäusserten Aussagen zu widersprechen. Dazu möchte ich drei Thesen aufstellen, welche ich anschliessend zu begründen versuche:
1. Die 32000-Knoten-Begrenzung bei Digi-Map Kacheln hat IMHO nicht (nur) lizenzrechtliche, sondern sehr wohl auch technische Ursachen:
Leute, die sich schon mal mit Programmierung befasst haben, wird die Zahl 32'000 nicht ganz unbekannt sein - sie definiert nämlich ziemlich genau den "Integer-Zahlenbereich", das heisst den Zahlenbereich, welcher sich mit 2 Bytes abdecken lässt. Da jeder Knoten in einer Digi-Map-Kachel zur eindeutigen Identifizierung eine "Hausnummer" zugeordnet wird, können also mit einem Integer maximal ca 32'000 (bei Verwendung eines "unsigned integer" vielleicht noch 64000 Knoten) indiziert werden. Natürlich bestünde auch die Möglichkeit, für diese Indizierung die nächst-grössere Integer-Zahl (den sogenannten "Long-Integer") zu verwenden, nun wären aber für die eindeutigen "Hausnummern" der Knoten nicht mehr nur 2, sondern 4 Bytes notwendig.
Dies würde bei gleicher Knotenzahl zwar nicht zu einer Verdoppelung aber doch zu grösseren Dateigrössen für die in Digi-Map verwendeten Kacheln führen (aktuell liegen die grössten Kachelgrössen mit 32'000 Knoten bei Digi-Map so ca. bei 7 MBytes, bei Verwendung von Long-Integers für die Indizierung würde ich bei der gleichen Kachel von midestens ca. 8 Mbytes ausgehen, bei Karten mit 64000 Knoten von 12-16 Mbytes etc.) - diese Kachelgrösse muss nun in Relation gesetzt werden zum auf dem Palm vorhandenen Kernspeicher (denn nur der kann für die Routenberechnung genutzt werden) - insbesondere bei älteren Palms war aber dieser Kernspeicher beispeilsweise beim m515 auf 8 Mbytes begrenzt (bei einem T3 liegt dieser nutzbare Kernspeicher nun bei so ca. 56 Mbytes beim T5 aber anscheinend wieder nur bei ca. 10 Mbytes...). Und hier zeigt es sich einfach, dass Digi-Map seine Ursprünge noch bei Palms mit begrenzter Speicherkapazität hatte und zur Not auch heute noch mit grossen Einschränkungen auf diesen Geräten lauffähig ist.
(13.5.: Zahlen geändert, da ich den Einfluss von Long-Inteters anstelle von Integers vermutlich etwas überschätzt habe...)
TomTom User werden nun einwenden, dass es doch hier auch möglich sei, eine ganze Deutschlandkarte als eine Kachel auf die Speicherkarte zu laden - dazu komme ich in der nun gleich folgenden These.
2. Auch TomTom muss die auf der SD-Karte liegende Gesamtkarte z.B. für Deutschland für die Routenberechnung in kleinere Teilkacheln zerlegen:
Diese These ist meiner Meinung nach sehr einfach einsichtig: Bei Digi-Map passen die Kartendaten für ganz Deutschland so in etwa auf eine 256 MByte SD-Karte. Ich gehe mal davon aus, dass sich dies bei TomTom so ziemlich in ähnlichen Grössenordnungen abspielt. Vergleicht man nun die Grösse dieser Karte mit dem verfügbaren Kernspeicher bei einem T3 (wie oben gesagt wahrscheinlich im Idealfall so ca. 56 Mbytes) so sieht man sehr rasch, dass nicht die gesamte Karte aufs Mal in diesen Kernspeicher passt. Zudem braucht auch das Programm selbst während der Routenberechnung noch Speicher. Im Gegensatz aber zu Digi-Map, bei dem die Kartenkacheln schon in für den Palm handhabbarer Grösse auf der Speicherkarte abgelegt sind, muss nun TomTom die Karte direkt während der Routenberechnung in für den Palm nutzbare Teilsegmente zerlegen. Wie dies genau geschieht, kann ich nicht sagen, da ich TomTom dafür zu wenig gut kenne (eine Möglichkeit wäre z.B. zuerst nur Autobahnen und Ueberlandstrassen in den Speicher zu laden und anschliessend in einem gewissen Umkreis um Start und Ziel den Detaillierungsgrad zu erhöhen).
Diese Zerlegung der Kartendaten direkt auf dem Palm hat nun einerseits den Vorteil, dass die Zerlegung selbst für die Routenberechnung idealer vorgenommen werden kann als bei den vordefinierten Karten von Digi-Map, andererseits ist dieser Vorgang sehr rechenaufwändig und wiederum speicherplatzhungrig - nicht umsonst wurde ursprünglich als Mindestanforderung für den TomTom Navigator ein T3 mit schnellem Prozessor und genügend Speicherplatz gefordert...
Auch hier zeigt es sich wieder, dass Digi-Map ursprünglich für ältere Palms mit weniger Speicher- und Prozessorressourcen entwickelt wurde: hier werden möglichst viele der rechen- und speicherintensiven Berechnungen bereits auf dem PC mit seinen (zumindest im Vergleich zu den älteren Palms) ungleich grösseren Ressourcen durchgeführt. Der Vorteil liegt auf der Hand, dieser Vorteil wird aber mit einer deutlich wenig flexiblen Kachelung auf dem Palm erkauft (zumindest solange auf leistungsstärkeren Palms nicht wieder mehrere Kacheln zu einer besser geeigneten grösseren Kachel zusammengefügt werden können - dies wäre dann das sogenannte "seamless routing", welches von Hekosoft auch schon mal zumindest andiskutiert wurde...)
3. Die Problematik liegt nicht primär bei der 32'000-Knoten Begrenzung der Digi-Map-Kacheln, sondern vielmehr bei der aktuell noch wenig flexiblen Wahlmöglichkeit der Detailkacheln:
Die Bedeutung der Begrenzung der Digi-Map-Kacheln auf 32000 Knoten wird IMHO massiv überschätzt. Digi-Map zeigt eigentlich nur dann systembedingt Schwächen beim Routing, wenn entweder der Start oder das Ziel in "Fahrtrichtung" im Randbereich einer Detailkachel liegen (mal abgesehen natürlich von einigen Bugs in einigen der vergangenen Programmversionen). Diese Problematik könnte dann in den fast 100% der Fälle gelöst werden, wenn es gelingen würde, aus den auf der SD-Karte abgelegten Kartenkacheln eine Detailkachel je bei Start und Ziel so zusammenzusetzen, dass Start und Zielpunkt möglichst zentral in den resultierenden Kacheln zu liegen kämen. Umgekehrt würde bei Beibehaltung der "fixen" Kartenkachelung auch eine Erhöhung pro Kartenkacheln möglichen Knoten die jetzige Problematik von Digi-Map in den Randbereichen auch der neuen, grösseren Kacheln nicht lösen können.
Sorry, für die doch recht technischen Ausführungen - aber ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die einseitige Kritik an der 32000-Knoten-Begrenzung bei den Digi-Map-Kacheln IMHO am Kern der Sache vorbeizielen...
Mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz
Andreas